Europa ohne Tierversuche

Fragen zur Unterzeichnung

1. Welche Kriterien muss ich erfüllen, um zur Unterzeichnung der EBI berechtigt zu sein?

2. Ich bin aus einem nicht EU-Land - kann ich unterschreiben?

3. Warum muss ich mein Geburtsdatum angeben?

4. Kann meine Unterschrift wirklich etwas bewirken?

5. Bis wann müssen die eine Million Unterschriften gesammelt sein?

Europäische Bürgerinitiative

6. Was ist eine Europäische Bürgerinitiative (EBI) und was ist der Unterschied zu einer „normalen“ Unterschriftensammlung?

7. Warum ist jetzt die richtige Zeit für die EBI?

8. Wie wurde die Kampagne ins Leben gerufen?

9. Was passiert, wenn die EBI scheitert?

10. Wer ist in die EBI involviert?

Kosmetik

11. Sind Tierversuche in der Kosmetik in der EU nicht bereits verboten?

12. Wie wirken sich die jüngsten Entscheidungen der ECHA-Beschwerdekammer auf tierversuchsfreie Kosmetik aus?

13. Welche Kosmetikinhaltsstoffe werden unter REACH an Tieren getestet?

14. Ist Kosmetik ohne Tierversuche sicher?

Die anderen Forderungen

15. Was ist die Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit und welche Auswirkungen hat sie auf Tierversuche?

16. Ihr fordert einen Ausstieg aus dem Tierversuch, aber braucht es nicht noch Tierversuche, zum Beispiel für die Entwicklung neuer Impfstoffe und Medikamente?

 

Fragen zur Unterzeichnung

1. Welche Kriterien muss ich erfüllen, um zur Unterzeichnung der EBI berechtigt zu sein?

Um die EBI unterzeichnen zu können, musst du EU-Bürger sein und alt genug, um an den Wahlen des Europäischen Parlaments teilnehmen zu können, d.h. in Deutschland 18 Jahre alt. Da es sich um eine offizielle Unterstützung handelt und nicht um eine bloße Meinungsbekundung, müssen Geburtsdatum und Adresse angegeben werden. Die Angaben werden von den Mitgliedsstaaten stichprobenweise kontrolliert. Falsche und Doppel-Unterschriften werden aussortiert. 

Auch wenn du nicht als Unterzeichner der EBI in Frage kommst, kannst du trotzdem helfen: berichte in deinem Umfeld über die EBI, teile Infos auf Social Media, melde dich für unseren Newsletter an und schaue in die Rubrik „Helfen“.

2. Ich bin aus einem nicht EU-Land - kann ich unterschreiben?

Staatsangehörige aus Nicht-EU-Ländern können die EBI nicht unterzeichnen. EU-Bürger können die EBI aber unabhängig von ihrem Wohnort unterzeichnen. Sprich EU- Bürger, die du kennst, an und ermutige sie, zu unterschreiben. Siehe auch unsere Rubrik „Helfen“ und abonniere unseren Newsletter.

3. Warum muss ich mein Geburtsdatum eingeben?

Da es sich um eine offizielle Petition handelt, will die EU sichergehen, dass wirklich nur EU-Bürger unterschreiben. Die Angaben werden stichprobenanartig überprüft.

4. Kann meine Unterschrift wirklich etwas bewirken?

Damit eine EBI von der EU-Kommission in Betracht gezogen werden kann, muss sie die Unterstützung von mindestens einer Million EU-Bürgern in Form verifizierter Unterschriften erhalten. Mit deiner Unterschrift hilfst du also ganz konkret, diese Million zu erreichen.

Diese EBI bietet die Möglichkeit, das Leiden und Sterben von Millionen von Tieren in der Europas Laboren zu beenden.

Andere EBIs haben es bereits geschafft. „End The Cage Age“ hat 1,4 Millionen verifizierte Unterschriften erreicht. Im Juni 2021 kündigte die EU-Kommission an, die Käfighaltung von Sauen, Hühnern, Enten, Gänsen und Kaninchen bis 2027 zu beenden. Zwar ist das noch eine lange Zeit, aber dennoch ein enormer Erfolg für die Tiere.

Aktuell hat die EBI „Stop Finning“ über eine Million Unterschriften geschafft.  

Und mit deiner Hilfe schaffen wir das auch!!  

5. Bis wann müssen die eine Million Unterschriften gesammelt sein?

Bis zum 31. August 2022 müssen wir eine Million verifizierte(!) Unterschriften haben. Da immer ein Anteil an doppelten und ungültigen Unterschriften aussortiert wird, brauchen wir einen Puffer von einigen Hunderttausend Unterschriften. Das Ziel sind also 1,2 oder besser 1,3 Mio. Unterschriften, um sicherzugehen, dass es reicht.

Die für jedes Land angegeben Mindestzahlen (für Deutschland 67.680) reichen bei weitem nicht aus, um 1 Mio., oder gar 1,2 oder 1,3 Mio. zu erreichen. Für Deutschland streben wir mehrere Hunderttausend Unterschriften an.  

Unterschreiben für ein Europa ohne Tierversuche

Europäische Bürgerinitiative

6. Was ist eine Europäische Bürgerinitiative (EBI) und was ist der Unterschied zu einer „normalen“ Unterschriftensammlung?

Die meisten Unterschriftensammlungen und Online-Petitionen dienen als Appelle an Politiker, um die Bürgermeinung zu verdeutlichen.

Im Unterschied dazu ist eine EBI ein Instrument, mit dem europäische Bürger die Europäische Kommission auffordern können, neue Rechtsvorschriften zu einem bestimmten Thema vorzuschlagen. Damit eine EBI von der Kommission in Erwägung gezogen wird, muss sie von mindestens einer Million EU-Bürgern innerhalb eines Jahres in Form von Unterschriften unterstützt werden. Im Gegensatz zu einer Petition wendet sich eine EBI direkt an die Kommission und kann zu Änderungen des EU-Rechts führen. Unsere EBI endet am 31. August 2022. 

7. Warum ist jetzt die richtige Zeit für die EBI?

Die bahnbrechenden Tierversuchsverbote für Kosmetika –ein Meilenstein für den Tierschutz und die jahrzehntelange Kampagnenarbeit – sind in Gefahr! Die Haltung der ECHA und der Europäischen Kommission, dass selbst Chemikalien, die ausschließlich als kosmetische Inhaltsstoffe verwendet werden, an Tieren getestet werden sollen, untergräbt diese Verbote vollständig und widerspricht sowohl ihrem Zweck als auch der öffentlichen Erwartung: Tiere sollen für Kosmetik in der EU nicht mehr leiden und sterben.

Ein konkreter Fall: Die Chemikalienbehörde ECHA verlangte im Rahmen der EU-Chemikalienverordnung REACH von dem deutschen Unternehmen Symrise, Tierversuche für zwei Substanzen durchzuführen, die in Sonnencremes eingesetzt werden. Über 2.000 Tiere sollten dafür leiden und sterben. Der Hersteller legte Beschwerde bei der ECHA-Beschwerdekammer ein. Im August 2020 entschied diese, dass das Unternehmen die Tierversuche durchführen muss. Diese Position wurde von der EU-Kommission unterstützt. Die Entscheidung der Beschwerdekammer bedeutet, dass das Kosmetik-Testverbot hinfällig ist und es für alle Kosmetikunternehmen – einschließlich der Marken, die ein tierversuchsfrei-Siegel tragen – praktisch unmöglich wird, Produkte zu vermarkten, die keine Inhaltsstoffe enthalten, die nicht unter REACH an Tieren getestet wurden oder werden könnten.

Wir müssen dringend handeln, um der EU-Kommission und der ECHA deutlich zu machen, dass Europas Bürger das Zunichtemachen des Kosmetik-Tierversuchsverbots, nicht hinnehmen werden.

Erschreckenderweise kommt hinzu, dass die kürzlich veröffentlichte Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit (CSS) (Chemicals Strategy for Sustainability) der Europäischen Kommission – die neue langfristige Vision für die EU-Chemikalienpolitik, die eine giftfreie Umwelt zum Ziel hat – zu einer massiven Erhöhung der Tierversuche führen könnte. Wenn man sich weiterhin auf Tierversuche verlässt, wird dieses Ziel keinesfalls erreicht werden. Ergebnisse aus Tierversuchen sind irreführend und irrelevant und tragen keinesfalls zur Sicherheit für Mensch und Umwelt bei. Noch dazu könnte die CSS das Tierversuchsverbot für Kosmetika weiter aushöhlen und dazu führen, dass bestehende Kosmetikinhaltsstoffe sowie neue Inhaltsstoffe noch mehr Tierversuchen unterzogen werden.

Wir müssen jetzt handeln, um das Tierversuchsverbot für Kosmetika zu erhalten und zu stärken und um die Einführung neuer Tierversuchsvorschriften für alle Chemikalien zu verhindern. Wir brauchen einen Ausstieg aus allen Tierversuchen in der EU! Mit der EBI geben wir den europäischen Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, ihre Stimme zu erheben.

8. Wie wurde die Kampagne ins Leben gerufen?

Wir kämpfen seit einiger Zeit dagegen, dass das EU-Kosmetik-Tierversuchsverbot zunichtegemacht wird.

Im Dezember 2020 haben wir uns zusammen mit anderen Tierschutzgruppen und über 450 Herstellern tierversuchsfreier Kosmetik in einem gemeinsamen offenen Brief an wichtige EU-Institutionen sowie an die Presse in ganz Europa gewandt. Ohne Erfolg.

Wir mussten also mehr tun, damit Europas Entscheidungsträger die Stimmen der Bürger hören. Die Dachverbände European Coalition to End Animal Experiments (ECEAE), Eurogroup for Animals und Cruelty Free Europe sowie PETA und die Humane Society International Europe (HSI), entschlossen sich, mit einer Europäischen Bürgerinitiative ein starkes Signal zu setzen. Dazu wurden die beiden Firmen The Body Shop und Dove mit ins Boot geholt. Diese Unternehmen setzen sich seit langem gegen die verheerenden Auswirkungen von REACH auf tierversuchsfreie Produkte ein.

Wegweisend ist für uns, dass die EBI „End The Cage Age“ für ein Ende der Käfighaltung aller sogenannten Nutztiere erfolgreich gewesen ist. Die Initiative hatte 1,4 Mio. gültige Unterschriften gesammelt und war damit die EBI mit der dritthöchsten Anzahl an Unterstützern. EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides erklärte im Juni 2021, dass die EU-Kommission die Stimmen der Bürger gehört hat und dass ein Gesetz erlassen werden soll, das die Käfighaltung von Sauen, Enten, Gänsen, Hühnern, Wachteln und Kaninchen ab 2027 verbietet.

Aktuell hat die EBI „Stop Finning“, die sich für ein Handelsverbot von Haiflossen einsetzt, über eine Million Unterschriften gesammelt!

Meilensteine für den Tierschutz! Und einen solchen werden wir auch setzen – mit unserer EBI und deiner Hilfe!

9. Was passiert, wenn die EBI scheitert?

Wir setzen natürlich alles daran, dass die EBI erfolgreich wird und wir wissen, dass die Mehrheit der Menschen in Europa hinter unseren Forderungen stehen. Eine Umfrage im Jahr 2020 ergab, dass drei Viertel (74%) der Erwachsenen in den EU-Mitgliedstaaten der Meinung ist, dass Tierversuche für kosmetische Produkte und deren Inhaltsstoffe keinesfalls akzeptabel sind. Fast drei Viertel (72 %) stimmten zu, dass die EU verbindliche Ziele und Fristen für den Ausstieg aus dem Tierversuch festlegen sollte, und sieben von zehn (70 %) fanden, dass alle Tierversuche vollständig durch tierversuchsfreie Methoden ersetzt werden sollen. Unser Ziel, dass durch die EBI die Stimmen der EU-Bürgerinnen und Bürger laut und deutlich zu hören sein werden, ist also durchaus erreichbar.

Wir sind uns jedoch bewusst, dass es sich hier um einen langwierigen Prozess handelt, der von den anhaltenden Corona Beschränkungen nicht erleichtert wird. Aber wir geben natürlich nicht auf! Das Beste, was du jetzt sofort tun kannst, ist die EBI zu unterschreiben. Denn nur wenn wir mindestens 1 Million Unterschriften sammeln, muss sich die EU-Kommission mit unseren Änderungen befassen. Ob und inwieweit die von uns geforderten Änderungen vorgenommen werden, ist zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht absehbar. Eins ist aber sicher: wir brauchen deine Unterschrift für ein tierversuchsfreies Europa!

10. Wer ist in die EBI involviert?

Die EBI wird von einer Koalition aus den Dachverbänden European Coalition to End Animal Experiments (ECEAE), Eurogroup for Animals, Cruelty Free Europe, PETA, und Humane Society International Europe (HSI) organisiert und wird außerdem von einer Reihe von tierversuchsfreien Kosmetikfirmen unterstützt. Das wichtigste an der EBI sind aber die europäischen Bürgerinnen und Bürger, also Du!

Unterschreiben für ein Europa ohne Tierversuche

Kosmetik

11. Sind Tierversuche in der Kosmetik in der EU nicht bereits verboten?

Tierversuche für Kosmetikprodukte und ihre Inhaltsstoffe sind in der EU seit 2009 durch die Europäische Kosmetikverordnung verboten. Seit 2013 dürfen auch keine an Tieren getesteten Kosmetikprodukte oder Inhaltsstoffe mehr verkauft werden. Diese Verbote wurden verabschiedet, um sicherzustellen, dass Tiere für die Entwicklung und Vermarktung von Kosmetika und deren Inhaltsstoffen in der EU nicht leiden und tierversuchsfreie Testmethoden zur Gewährleistung der Sicherheit eingesetzt werden.

Trotz dieser Verbote fordert die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) weiterhin neue Tierversuche für Chemikalien, die als kosmetische Inhaltsstoffe im Rahmen der REACH-Verordnung verwendet werden. Unterstützt wird sie dabei von der Europäischen Kommission und der ECHA-Beschwerdekammer. Die EU-Verordnung REACH regelt die Registrierung, Bewertung und Zulassung von Chemikalien, was zum großen Teil Tierversuche bedeutet. Inzwischen werden sogar Tierversuche für Substanzen verlangt, die ausschließlich in Kosmetika eingesetzt werden.

Es wird geltendes EU-Recht umgangen und die Absicht des Gesetzgebers, Tiere nicht mehr für Kosmetik leiden und sterben zu lassen, untergraben.

Es heißt, die Tierversuche seien zum Schutz der Arbeiter und unserer Umwelt erforderlich, da die Kosmetikverordnung nur die Verbrauchersicherheit abdecke. Mit dieser Sichtweise wird eine künstliche Kluft zwischen Verbrauchern und Arbeitern geschaffen. Wieso soll eine Substanz für den Endverbraucher sicher sein, nicht aber für den Arbeiter, der das Produkt herstellt? Außerdem wird die langjährige sichere Verwendung vieler dieser Inhaltsstoffe missachtet, ebenso wie die gesetzliche Verpflichtung, nach Möglichkeit tierversuchsfreie Methoden anstelle von Tierversuchen einzusetzen.

12. Wie wirken sich die jüngsten Entscheidungen der ECHA-Beschwerdekammer auf tierversuchsfreie Kosmetik aus?

Die Untergrabung des Tierversuchsverbots für Kosmetika ist mittlerweile so weitreichend, dass es für Unternehmen immer schwieriger wird, Produkte ohne die Verwendung von Inhaltsstoffen herzustellen, die nicht unter REACH an Tieren getestet wurden oder werden könnten. Das gilt selbst für Inhaltsstoffe, die seit vielen Jahren sicher in Kosmetik verwendet werden.

13. Welche Inhaltsstoffe von Kosmetika unterliegen neuen Tierversuchen nach REACH?

Die Entscheidung der ECHA-Beschwerdekammer vom August 2020 betraf zwei Inhaltsstoffe, die üblicherweise als Sonnenschutzmittel verwendet werden. Jedoch geht das Problem weit darüber hinaus, denn die ECHA fordert Tierversuche auch für häufig verwendete Tenside und Konservierungsmittel. Einige bekannte Inhaltsstoffe, die unter REACH an Tieren getestet werden, sind Propylparaben, Natriumlaurylsarcosinat und Kieselsäure. Viele weitere Kosmetik-Inhaltsstoffe werden bald betroffen sein, sollten wir keinen Erfolg haben. Diese Tests bedeuten Leid und Tod für viele Tausend Kaninchen, Ratten und andere Tiere. 

Neben ethischer Bedenken sind auch die Übertragbarkeit und Vorhersagekraft von Tierversuchen fraglich. Es geht hier also nicht nur um den Schutz der Tiere, sondern genauso um die Sicherheit der Menschen. Die Etablierung eines konkreten Ausstiegsplans aus dem Tierversuch wird auch die verstärkte Entwicklung tierversuchsfreier Methoden vorantreiben. So haben beispielsweise Kosmetikunternehmen als Reaktion auf die EU-Verbote massiv in tierversuchsfreie Methoden investiert. Viele neue tierversuchsfreie Technologien wurden infolgedessen entwickelt und werden nun weltweit zur Gewährleistung der Verbrauchersicherheit und auch in der Risikobewertung anderer Chemikalien eingesetzt. Tierversuche müssen aus wissenschaftlichen, ethischen und wirtschaftlichen Gründen abgeschafft werden, um den Weg freizumachen für moderne, für den Menschen relevante Methoden.

14. Ist Kosmetik ohne Tierversuche sicher?

Sichere Kosmetik ohne Tierversuche ist keine neue Idee – viele Unternehmen sind seit Jahrzehnten tierversuchsfrei. 

Tatsächlich sind Kosmetika ohne Tierversuche sogar sicherer. Toxizitätstests (Giftigkeitsprüfungen) an Tieren setzen voraus, dass die Wirkung eines Produkts oder Inhaltsstoffs auf Tiere eine Vorhersage darüber zulässt, was beim Menschen oder in der Umwelt passieren wird. Das ist ein Trugschluss!

Viele gesetzlich vorgeschriebene Tierversuche sind nicht einmal formal validiert, was bedeutet, dass ihre wissenschaftliche Grundlage, ihr Verlässlichkeit und die Relevanz für den Menschen nicht ausreichend belegt sind. Selbst validierte Tests können unzuverlässig sein und bei Wiederholung unterschiedliche Ergebnisse liefern. 

Angesichts der biologischen Unterschiede zwischen Menschen und den üblicherweise in Toxizitätstests verwendeten Tieren, der Überdosierung von Testsubstanzen und den unnatürlichen und stressigen Bedingungen, denen die Tiere im Labor ausgesetzt sind, ist es nicht verwunderlich, dass Ergebnisse aus humanrelevanten Testsystemen Menschen besser schützen können. Der Tierversuch bietet also keine Sicherheit für den Menschen, sondern ist eine Gefahr.

Das Verbot von Tierversuchen für die Herstellung und Vermarktung von Kosmetika führte zu einem regelrechten Boom in der Entwicklung von tierversuchsfreien Methoden zur Sicherheitsbewertung von Kosmetika und deren Inhaltsstoffen. Moderne Technologien wie dreidimensionale Gewebemodelle und fortschrittliche Computersimulationen werden heutzutage routinemäßig verwendet, um die Sicherheit von Kosmetika zu gewährleisten, ohne Tieren Leid anzutun.

Wichtig ist auch zu erwähnen, dass viele der kosmetischen Inhaltsstoffe, für die unter REACH Tierversuche verlangt werden, schon seit Jahrzehnten sicher von Menschen verwendet werden.

Für den seltenen Fall, dass die Sicherheit eines kosmetischen Produkts oder Inhaltsstoffs nicht mit tierversuchsfreien Methoden gewährleistet werden kann, sollten diese einfach nicht verwendet werden.

Unterschreiben für ein Europa ohne Tierversuche

Die anderen Forderungen

15. Was ist die Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit und welche Auswirkungen hat sie auf Tierversuche?

Die neue EU-Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit (CSS – Chemicals Strategy for Sustainability) soll dazu führen, dass in der EU und ihren Mitgliedsstaaten sicherere Produkte entwickelt werden, giftige Chemikalien eingeschränkt werden und die Exposition der Menschen gegenüber gesundheitsschädlichen Chemikalien begrenzt wird. Allerdings könnte der Ansatz, den die EU-Kommission und die Europäische Chemikalienagentur ECHA nun bezüglich neuer Chemikaliengesetze verfolgen, dazu führen, dass Millionen weitere Tiere in grausamen und für die menschliche Sicherheit völlig ungeeigneten Tierversuchen leiden.

Natürlich ist es wichtig, Mensch und Umwelt zu schützen. Deswegen fordern wir, nicht auf Tierversuche zu setzen. Unsere EBI fordert die Europäische Kommission auf, die Chemikalienverordnung dahingehend umzugestalten, dass der Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt ohne Tierversuche gewährleistet wird. 

Dies bedeutet, dass die Europäische Union moderne Testsysteme ohne Tierversuche nutzen soll, anstatt an althergebrachten, grausamen und nicht übertragbaren Tierversuchen festzuhalten. Die Chemikalienstrategie ist eine Gelegenheit, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Wir haben jetzt die Chance, gesetzliche Regelungen zukunftsfähig zu machen, schnelle Anpassungen an technische Fortschritte und die sofortige Übernahme bestehender und neu entwickelter tierversuchsfreier Technologien zu ermöglichen.

Nicht zuletzt muss dringend in tierversuchsfreie Ansätze der nächsten Generation investiert werden, um die Charakterisierung und Regulierung von Chemikalien zu verbessern und damit keine Tierversuche mehr gefordert werden.

16. Ihr fordert einen Ausstieg aus dem Tierversuch, aber braucht es nicht noch Tierversuche, zum Beispiel für die Entwicklung neuer Impfstoffe und Medikamente? 

Nein. Moderne Impfstoff- und Medikamentenforschung ist tierversuchsfrei und erfolgreich. Der Einsatz humanbasierter Forschungsmethoden liefert humanrelevante Ergebnisse. Wenn wir an Mini-Organen aus menschlichen Zellen die Wirkung oder die Giftigkeit einer Substanz testen, wissen wir bei den Ergebnissen, dass sie auch für den Menschen stimmen. Bei einem Tierversuch wissen wir das nicht, denn Menschen und Tiere sind sehr verschieden. Der Mensch ist eben keine 75 kg Ratte. Mehr zum Thema Übertragbarkeit findest Du hier >>

Über tierversuchsfreie Forschung kannst Du dich hier informieren >>

Auch elf Jahre nachdem die Tierversuchsrichtlinie 2010/63/EU in Kraft trat, stagnieren die Tierversuchszahlen in der EU immer noch zwischen 11 und 12 Millionen Tieren jährlich. Ein Armutszeugnis für die EU, vor allem angesichts der rasanten Entwicklung fortschrittlicher tierfreier Modelle wie Organoide, Organchips und Computermodelle. Das EU-eigene Joint Research Center hat einiges unternommen, um den Einsatz von tierversuchsfreien Modellen und Methoden in einer Reihe von Forschungsbereichen zu fördern, aber es braucht noch viel mehr Engagement von allen Beteiligten. Die EU verfügt immer noch über kein umfassendes politisches Programm, um den Ausstieg aus dem Tierversuch zu koordinieren. Wichtige Elemente eines solchen Programms sind die Anpassung bestehender Gesetze und die Umschichtung von Geldern weg vom Tierversuch hin zur tierversuchsfreien Forschung und Testung.

Wir brauchen dringend einen Aktionsplan, um dem Ausstieg aus dem Tierversuch in der EU in die Tat umzusetzen. Ein wichtiges Instrument ist hierfür unsere EBI. Setze auch du mit deiner Unterschrift ein Zeichen für ein tierversuchsfreies Europa.

 

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